Sonntag, April 29, 2007

Ich hab es geschafft - stolz

Keine langen Worte, nur: Ich habe meinen ersten Marathon vollendet.
Und unter vier Stunden: 3:59:07.
Jetzt bin ich allerdings total platt.
Hier die phantastisch-regelmäßigen Zeiten (bis auf die letzten vier Kilometer).

0-5km: 0:27:58
5-10km: 0:27:41
10-15km: 0:27:32
15-20km: 0:27:47
20-25km: 0:28:05
25-30km: 0:28:32
30-35km: 0:28:17
35-40km: 0:29:06
40-42,195km: 0:14:06

Danke für die ganze Unterstützung, für meine sensationelle Laufgruppe, besonders Christian. Ohne dich wäre ich nie so weit gekommen. Und auch Dank der Unterstützergruppe Julia, Agnes, Whitney, Thomas und alle anderen, besonders dem unbekannten Mann auf der Rothenbaumchaussee, der den Teller mit den Orangenschnitzen hielt. Ich war so durch, dass ich mich nicht mal bedanken konnte, der Geschmack im Mund hat mich über diverse hundert Meter von meinen Beinen abgelenkt.

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Samstag, April 28, 2007

Noch ein Tag bis zum Marathon

Ich bin wieder zurück aus Berlin. Das 11mm Fußballfilmfest läuft noch bis zum 1. Mai. Und ich laufe morgen den Marathon. Jedenfalls fange ich an. Die Startnummer und den Zeitchip habe ich abgeholt. Und mir die Energie-Marshmellows gekauft. Aber nicht Cola-Guarana. Sondern mit dem Geschmack Weizenbier.
Prost.

Allen Läufern viel Erfolg.

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Donnerstag, April 26, 2007

Optimale Vorbereitung

Kino gucken, Party machen, Bier trinken und wenig Schlaf. Eine bessere Vorbereitungsphase für meinen ersten Marathon konnte ich nicht wählen, als mich in Berlin auf dem ersten 11mm Fußballfilmfest herumzutreiben.

Aber es ist großartig, gestern schöne Kickoff-Party über den Dächern der Stadt.

Heute kommt Sönke Wortmann und eröffnet das Festival. Mehr dazu ab sofort im 11mm Blog bei der Berliner Zeitung.

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Montag, April 23, 2007

Sechs Tage bis zum Marathon

Für alle, die nicht wissen, wo es lang geht, hier die Karte zum Marathon in Hamburg bei jogmap.

Und es wird warm. Alle Vorhersagen deuten auf ein schönes Sommerwochenende hin. Bitte lass es kälter werden. Nur noch dieses eine Mal.

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Sonntag, April 22, 2007

Eine Woche vor dem Marathon - sehr selbstbezogen

Mein letzter Test vor dem großen Lauf. Sklavisch habe ich mich an die Anweisung des Trainers gehalten und bin langsam und nicht mehr als eine Stunde gelaufen: 59:24 Minuten. Viel wichtiger als die Zeit war allerdings, dass sich mein Körper gut angefühlt hat. Der Fuß hat sich zwar am Ende leicht bemerkbar gemacht, aber ich hatte das Gefühl, dass die Kraft da war. Eine Woche habe ich pausiert und viel in mich hinein gehört, wo es zwickt und pickt. Doch es war gut. Morgen kümmert sich Andrea noch mal um mich und schickt mich mit vielen guten Energien auf den Weg.

Diese ganze Lauferei ist schon reichlich selbstbezogen. In sich hinein hören anstatt mit anderen zu reden. Die Laufgruppe hilft dagegen nur bedingt, da wir nicht kontinuierlich zusammen trainieren. Noch unverständlicher ist es, wenn sich bei einem solchen Egotrip Hunderttausende an die Strecke stellen, und uns Egomanen bei der Selbstverwirklichung oder dem Scheitern zusehen. Trotzdem, kommt alle, ich brauche Euch und werde Euch für jeden Zuruf lieben.

Ein ähnliches Ausmaß an Selbstbezogenheit präsentiert . Volker Strübing, der sich über diverse Ebenen zum Inhalt seines Autorenreisetäschchens nähert. Und dann erzählt er noch seinen Lieblingswitz. Und im Gegensatz zum Marathon braucht er statt der von mir angestrebten vier Stunden nur zehn Minuten, um sich von allen Seiten zu zeigen. Und es haben schon hunderte von Menschen gesehen. Via ix



Jetzt werde ich die Lauferei einstellen und meine Energie auf das phantastische Fußballfilmfest 11mm in Berlin richten. Ab Mittwoch werden im Babylon in Berlin-Mitte Spielfilme, Dokumentationen und Kurzfilme zum Thema Fußball gezeigt. Die großartige Mannschaft hat wieder (zum vierten Mal) ein internationales Programm und eine illustre Gästeschar zusammengestellt. Eine Reihe widmet sich den unsterblichen Fußballgöttern wie Pele, Franz Beckerbauer, Johan Cruijff, Maradona und Zinedine Zidane.

Als Anschmeckerer gibt es das Jahrhunderttor von Diego Armando Maradona bei der WM 1986 in Mexiko gegen England, das Lionel Messi letzte Woche im Pokalspiel gegen Getafe inklusive aller Drehungen erneut erzielt hat. Respekt. Und vor allen Dingen sehr vorbildbezogen.

Das Original:


Die Kopie:

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Samstag, April 21, 2007

Nur noch acht Tage bis zum Marathon

Und eine Frau weniger. Da waren es nur noch Fünf. Hier die Absage:

"TWINKLE TOES laufengruppe

ich habe traurige information...........ich muss euch laufen sehen von die 'sidelines'

leider... ich habe ein bisschen krank und ich kenne jetzt dass meine blut schwer ist..... ok, enough german because it sounds very TRAGIC with my insane words but, i have now found that i have severly low iron and need to RELAX... just like an ALT FRAU!!! so i am very dissapointed, but glucklich to find out the cause to my weakness!!

i will have to be a spectator (which i know is fun)... but i had a great gang of people to run with and the wonderful goal to torture myself with all of you......... so this is sad for me

thommy and i are off to see miss julie & mr. d and dann fahren wir nach sud-deutschland... i will send positive vibes all week for you and then i will be there to CHEER you all the way to your gold medal standing!!

TWINKLE TOES till the END!!!!!!!

all the best next sunday...sorry to not be with you... aber NEXT TIME (if your legs are still attached!!)

BIG BIG HUG AND CHEERS 4 U ALL!!!

hugs"

Schöner und tragischer kann man wohl kaum eine Absage formulieren.

I will miss you.

Und mit wem soll ich diese phantastischen geradebrechten deutsch-englisch Unterhaltungen führen? Ohne Deine Geschichten ist das Ziel noch viel ferner.
But next time.

Der einzige Kampf, den man verliert, ist der, den man aufgibt!! Bis zum Sieg oder Tod!
Übersetzung laut Fotograf: "Der einzige Kampf, den man verliert, ist der, den man aufgibt!! Bis zum Sieg oder Tod!"

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Freitag, April 20, 2007

Nur noch neun Tage bis zum Marathon

Ein kurzer Blick auf das letzte lebenswerte Wochenende. Ich bin dank meiner Verletzung voll in die Taperingphase eingetaucht. Ich vertraue ganz den Worten des Trainers, der zu meinem dicken Fuß meinte: "Auf jeden Fall ist das ein eindeutiges Zeichen, dass jetzt Tapering angesagt ist. Leichtes Traben mit dem Partner ist ok, aber alles über eine Stunde solltet ihr vermeiden. Wir sind alle so mega fit - weitere Trainingskilometer sind wirklich nicht nötig. Ab Sonntag wird gar nicht mehr gelaufen."

Naja, glauben wir ihm mal, es bleibt uns eh nichts anders mehr übrig. Außerdem hat er tatsächlich einen Sponsor besorgt, die T-Shirts (weiß mit unauffälligem Aufdruck) sind eingetroffen.

Schwur
Diese fröhlichen jungen Menschen werden auch dabei sein. Sie müssen den Sylvesterschwur einhalten. Immer diese guten Vorsätzen fürs Neue Jahr.

Und für den Notfall habe ich heute einen Rettungsring bekommen. Einen Marshmellow von Ultra Sports. Ein befreundeter Läufer schwört auf den Energiekick bei Schwächephasen. Bisher bin ich mit Bananen und Wasser gut über die Runden gekommen, aber das Teilchen ist klein und leicht und wird mir ein gutes Gefühl geben. Hoffentlich löst es keinen Brechreiz aus.

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Dienstag, April 17, 2007

Der Körper ist voll Unvernunft

Mein Körper macht jedenfalls nicht das, was ich von ihm will. Er schmerzt. Am Fuss. 12 Tage vor dem Marathon. So haben wir nicht gewettet.

Heute morgen habe ich die großartige Fußheilerin Andrea Bubos aufgesucht. Sie hat mir wieder einmal gezeigt, wie man richtig geht und läuft. Ferse aufsetzen, Außenfuß belasten und über den Großzeh abrollen und abstoßen, ohne nach innen einzuknicken. So jedenfalls meine laienhafte Zusammenfassung. Um es nicht zu einfach dastehen zu lassen, wenn ich in der Hüfte meinem Bein mehr Führungen und Halt geben würde, würde ich automatisch den Fuß besser aufsetzen und über einen stabileren Schritt verfügen.

Danach hat sie das gestauchte Mittelfußknochenaußengelenkknorpelgemurks (Wie das aussieht im Filmchen bei Prof. Dr. med. Lochner) mobilisiert und fasst mich auch am kommenden Montag nochmal an die Füsse. Auf meine Frage, inwieweit das denn meine Teilnahme gefährdet, sagte sie nur: "Wenn es zu doll weh tut, hörst Du eh auf."

Hätte ich mal bloß früher aufgepasst und mal richtig laufen gelernt.

Der Gernhardt des Tages:
"mein körper ist voll unvernunft,
ist gierig, faul und geil,
tagtäglich geht er mehr kaputt,
ich mach ihn wieder heil."

Zitiert nach: Else Buschheuer, Leipzig Tagebuch, Salier Verlag 2007.

Die Uni-Bibliothek der FU Berlin hat eine ausführliche Linksammlung zu Robert Gernhardt zusammengestellt.

Auf das Buch von Else Buschheuer bin ich aufmerksam geworden, weil sie einen wunderschönen und komischen Text über ihre Rückkehr aus New York nach Leipzig in der Süddeutschen veröffentlicht hat und ich mich frage, wie es wohl unserer kanadischen Mitläuferin so in Hamburg geht. Und das ich das Buch schon habe, verdanke ich dem Verlag, der es mir einfach gegen Rechnung zu gesandt hat, da es die Buch-Großhändler zwei Wochen lang nicht liefern konnten.

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Montag, April 16, 2007

Der lange Lauf 2

Sonntagvormittag, deutlich einsetzender Sommer und der letzte längere Lauf auf dem Trainingsplan. Alster und Planten und Blomen in einer Kombination, die einem Halbmarathon entspricht. Langsam unterwegs, nur die Entfernung zählt.

Doch Schreck, ab Kilometer 12 fängt der linke Fuß an weh zu tun. Zwei Wochen vor dem Marathon und ich kriege Beschwerden. Ziehen, Stechen, nicht so schlimm, dass ich aufhöre, aber ich merke es. So will ich keine 42 Kilometer laufen.

Ab jetzt ist mehr Ruhe für die strapazierten Füße und Beine angesagt und die Hände einer Heilerin, die mich hoffentlich morgen wieder laufen lernt.

Aber es ist halt gefährlich, so viel durch die Stadt zu laufen.

Dazu passend folgendes Video, das Jürgen Kuttner in seinem neuen Videoblog bei der Netzeitung zum Thema Superstars empfiehlt. Was sind dagegen schon Schmerzen am Fuss?



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Trainingsanreize setzen – Berlin 2

Kleiner Nachtrag. Samstagvormittag, Berlin Spreelauf. 9km 50 min. An der Spree entlang. Der Sommer hilft mit den Reizen. Eine schöne Verfolgung aufgenommen, aus Zeitgründen abgebrochen. Dafür am Haus der Kulturen der Welten und am Schloss Bellevue entlang, Schlenker durch den Tiergarten und am Brandenburger Tor vorbei. Hinterher Belohnung bei der Butterstulle abgeholt, lecker.

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Donnerstag, April 12, 2007

Trainingsanreize setzen – Potsdam 1

Immer wieder gern genommen: der Sprint zur einfahrenden S-Bahn. Auch ohne ausgeklügelten Trainingsplan steht diese kurzfristige Höchstbelastung immer wieder auf meinem Programm. Der abendliche Spaziergang über das Babelsberger Unigelände mit seiner kleinen Waldimitation kommt meistens auf dem Parkplatz aus dem Tritt, wenn sich überraschend das Geräusch der sich nähernden S-Bahn über das Vogelgezwitscher legt.

Besonders beliebt an Freitagabenden mit Reisegepäck oder bei außergewöhnlichen Spätschichten, wenn die Bahnen nur noch im 20-Minuten-Takt fahren. Durch das Treppab und –auf mit erhöhten Schwierigkeiten versehen, ist es eine besondere Freude, während des Fahrkartenziehens das Piepen der sich schließenden Türen zu hören und wutentbrannt auf den Ausgabeschlitz zu starren, wohl wissend, dass es auch diesmal nicht gereicht hat.

Dabei ist Griebnitzsee einer der wenigen Bahnhöfe, die noch über Bahnsteigpersonal verfügen. Aber man hoffe nicht auf deren Erbarmen. Zum Davonrennen.

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Mittwoch, April 11, 2007

Trainingsanreize setzen – Berlin 1

Mein Mentalcoach hatte mir geraten, in der verbleibenden Zeit nicht mehr ganz so hart zu trainieren und nur noch kurze Trainingsanreize zu setzen. Mich verfolgte diese Idee bis in meine Träume und riss mich heute eine Stunde vor dem Weckerklingeln aus dem Schlaf.

Die gewonnene Stunde nutzte ich, um meinen schlaftrunkenen Körper so richtig zu reizen. Ohne Frühstück hinaus in die fremde Stadt: Laufen statt schlafen. Damit auch dem Kopf etwas geboten wird, wählte ich die Touristen-Attraktions-Route: Neuer Hauptbahnhof, Kanzleramt und Schweizer Botschaft, Tiergarten, Großer Stern, in der Ferne die Hochhäuser des Potsdamer Platzes und am Brandenburger Tor und dem Reichstag zurück.

Also mehr Reize bietet Berlin in den frühen Morgenstunden nicht. Ich hatte mir zuvor eine mögliche Strecke ausgemessen, doch mich begrenzte die Zielzeit, nicht die Entfernung. Geschätzte 9 Kilometer und eine gute dreiviertel Stunden in zügigem Tempo – der Morgen war reizvoll.

Jetzt gilt es, weitere Attraktionen zu finden.

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Montag, April 09, 2007

Und sie bewegen sich doch

Wider Erwarten noch einen kleinen Lauf an den Ostertagen eingeschoben. Ganz sanft und ruhig. Zu zweit durch Planten und Blomen mit einem Extra-Schlenker Richtung Fernsehturm. Das Tempo war geeignet, vergessene Ostereier auf dem Weg zu finden, aber die Beine sollten sich an die erneute Bewegung gewöhnen.

Mein Mentalcoach fühlt sich geehrt ( Ich, der Jürgen), jetzt müssen nur noch die ultimativen Tipps für die letzten 20 Tage bei mir ankommen. Damit ich nicht auf der Strecke bleibe.

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Der lange Lauf

Das Osterfest stand im Zeichen des langen Laufes. Der Trainer hatte uns Ausdauer und Strecke machen auf das Programm geschrieben.

Am Samstagvormittag fuhren wir zu dritt hinaus in den Nordosten Hamburgs, die Endstation der U1 Ohlstedt war unser Ziel. Nie zuvor war ich hier gewesen, ich fühlte mich näher an Kiel oder Dänemark, als dass es vorstellbar war, zurück nach Hamburg zu laufen. Die Webcam in Ohlstedt ist auf den Himmel gerichtet, worauf auch sonst?

An der Haltestelle Buckhorn – nie gehört – sprach uns drei Kurzbehoste ein anderer Fahrgast an: „Ihr fahrt nach Ohlstedt, um an der Alster in die City zu laufen? Hab ich auch schon ein paar Mal probiert.“

Auf der einen Seite war es beruhigend, dass es Menschen gab, die unser Vorhaben nicht für aussichtslos hielten, andererseits: Was heißt probiert?

Doch er stieg aus und wir näherten uns der Endstation. Bei jogmap betrug unsere Strecke über 26 Kilometer, aber die ersten Meter machten klar, dass die Alster im Oberlauf doch viel stärker mäandert, als wir vermessen hatten und auch der Alsterwanderweg hielt ein paar unerwartete Schleifen und Steigungen parat.

Über die Strecke lässt sich nicht viel sagen, zum Spazieren gehen geeignet und in kompletter Ausdehnung sehr lang und schmerzhaft. Der Trainer wusste uns mit Sprüchen wie „Jetzt kommt der langweiligste Part der Strecke, immer an der `Alten Landstraße` entlang. Die ist so lang, da wird einem sogar beim Autofahren langweilig.“

Glücklich, in Ohlsdorf wieder zu wissen, wo wir waren, erschöpft, als wir das Winterhuder Fährhaus erreichten, voller Verzweiflung und Selbsthass wieder an die Außenalster zurückgekehrt, völlig am Ende zu Hause angekommen. Ich war platt. Geschätzte 28 Kilometer in 2:40 Stunden haben mir die Euphorie genommen, die nach dem erfolgreichen Halbmarathon eine Woche zuvor aufgekommen war.

Die letzten Wochen habe ich ein niemals zuvor betriebenes Trainingsprogramm hinter mir. Ich hoffe, dass sich diese Kilometer in drei Wochen auszahlen werden. Aber jetzt muss ich meine Anstrengungen zurückschrauben. Ich brauche die Kraft noch, oder?

Und Eure Unterstützung. Dazu das passende Lied: "Never let me down again" in der tieftraurigen Version von Sylvain Chauveau.

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Freitag, April 06, 2007

Sport und Bier und Biersport

Die Sache mit dem Sport ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits dient es der körperlichen Ertüchtigung, andererseits kann es auch – wenn zu eifrig betrieben - fatale Folgen haben. Deswegen habe ich mir zwei Tage Auszeit gegönnt und mich nur passiv Aktivitäten hingeben.

In der Stadt war Derbyzeit. Der kleine FC St. Pauli war beim großen HSV zu Gast, allerdings nur bei den Amateuren. Ein kampfbetontes 0:0 ließ bei Anhängerscharen relativ friedlich in die Stadt zurückkehren, nur vereinzelt flogen Bierdosen vor dem S-Bahnhof Stellingen hin und her. Der HVV war ein wenig zurückhaltend mit der Bereitstellung von Zügen, weswegen sich die Heimfahrt doch um Stunden verzögerte. Was wiederum ein gutes Argument für ein weiteres Bier und dann noch eins usw. war, auch wenn dieses Verhalten nicht der körperlichen Fitness zuträglich ist.

Eine andere Möglichkeit, Sport und Bier in eine harmonische Kombination zu bringen, ist der so genannte Bierathlon - in anderen Regionen auch als Kastenlauf bekannt.
Dank Youtube sind phantastische Einblicke in diese mir zuvor verschlossene Form der Körperertüchtigung möglich. Traditionell handelt es sich dabei um Jungmänner, die sich unter dem Absingen schmutziger Lieder in Hochgeschwindigkeit in die Bewusstlosigkeit saufen. Diese offensichtlich gesellschaftlich akzeptierte Variante des zur Zeit so verpönten Flatrate-Saufens gilt vielmehr als heimatliches Kulturgut.
Besonders gerne werden diese Dokumentationen, auf deren Höhepunkt ein fröhlicher Strahl Erbrochenes durchs Bild spritzt, mit lauter Rockmusik unterlegt.

Ein typisches Beispiel ist der Kastenlauf 2005 aus Breitbrunn:


Einen ähnlichen Einblick gibt der Bierathlon in Rotenburg, der erste seit 26 Jahren, mit stilvoll vorgetragenem Walk-by-Kotzing:


Dagegen glänzt der 1. Bremer Bierathlon um den Bremer Unisee mit mehr akademischer Ergebnisorientiertheit und einer vollständig übertragenen Preisverleihungszeremonie. Das Siegerpodest ist olympiareif und dem Anlass angemessen.



Der Bierathlon in Oberursel, dessen Teilnehmer kaum die erforderliche Alkoholreife erreicht haben dürften, glänzen mit einer erstaunlichen Musikauswahl. Ihre mit Eistee gestreckten Bemühungen sind mit einem Trinklied von Otto Waalkes unterlegt.


Der selbstgesungene Partykracher „Viva La Bier“ macht folgenden Beitrag - nach circa 50 zurückgelegten Höhenkilometern und Unmengen Bier – zu einem besonderen Erlebnis.


Besondere Erwähnung verdient der erste Nordracher Kastenlauf aus dem Jahr 2006. Dieses Spektakel in Nordrach, dem ersten Preisträger im Kreiswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ ist offensichtlich ein großer Spaß für alle Beteiligte. Der gemischt-geschlechtliche Wettbewerb, der am Ende noch mit sportlichen Höchstleistungen wie Um-die-Wette-auf-einem-Bein-stehen oder Eierlaufen aufwarten kann, offenbart eine gänzliche neue Interpretation des traditionellen Sackhüpfens am Ende des Films. Außerdem gibt es zu diesem Event sogar eine eigene Website mit Bilder, Videos und Nachberichten.


Die filmisch überzeugendste Präsentation kommt aus der Schweiz und ist eine Kurz-Dokumentation über den "one and only Bierkastenlauf in Winterthur". Menschen in Verkleidung, gut gelaunt in schöner Natur, geben diesem Sport die richtige Würdigung.


Darum ist es beim Sport so schön.

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Mittwoch, April 04, 2007

Zusätzlichen Fern-Trainer verpflichtet

Das große Ziel ist nur noch 25 Tage fern. Zeit, den Betreuerstab aufzustocken. Seit Wochen verfolge ich die Trainingsleistungen von Christoph, über die er in seinem Laufblog SG Traktor berichtet. Christoph hilft mir mit seinen Emails mental weiter, ein externer Motivationscoach – seit Jürgen Klinsmann im deutschen Sport auch akzeptiert, dabei will ich nicht mal Weltmeister werden.

Christoph schreibt:
„Am Marathonlaufen gibt es eigentlich nicht so viel Beeindruckendes. Primär ist es eine Fleißarbeit, die es stetig zu steigern gilt! Auch ohne Talent und nur mit Fleiß behaupte ich nach wie vor kann jeder Mann unter 3 Stunden bleiben. Ich habe schon viele Fußballer gesehen, die auf Marathon umgestiegen sind. Ihr habt den Vorteil eines guten Antritts,
seid aber leider etwas schwerfällig, das gibt sich aber im Laufe der Jahre.“

Für einen fast 90 Kilo-Mann - nein, ich bin nicht schwerfällig, ich habe bloß über meinen Beinen auch noch einen Oberkörper - bedeutet es schon eine gehörige Portion Überwindung, diese Masse überhaupt in Bewegung zu setzen. Aber ich will mir meine Fleißbienchen redlich verdienen und habe gestern, obwohl es wieder kalt und zugig an der Alster war, mit meinem Direct-Contact-Coach, nach einer Runde kurz entschlossen eine „Planten und Blomen“-Runde hinzugefügt. Sehr entspanntes Laufen mit leichten Steigungen und dem herrlichen Ausblick auf den Frühjahrsdom. Die kreischenden Achterbahnfahrer feuerten uns – nur uns – an. Insgesamt bestimmt 16-17 Kilometer und die Sonne tauchte Hamburg in dieses unvergleichliche Licht.

Dazu passt der Schlusssatz von Christoph: „Genieße einfach Deinen ersten Marathon, das ist immer großartig in HH!“

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Dienstag, April 03, 2007

Zeit zum Luftschnappen

Endlich mal richtig Durchatmen. Ein wichtiger Teil der Vorbereitung für den Marathon ist erfolgreich absolviert: Vier Wochen vor dem Start ein Halbmarathon in Wettkampf-Tempo. Der Trainer hat es schon gesagt, die Zeit war gut: 1:48:49, die zwei vorangegangenen Läufe waren langsamer.

Angespornt von der Aussicht, unter 1:50 zu laufen und drei Läufer auf den letzten drei Kilometer in Sichtweite sorgte für die Ausschüttung von Euphoriehormonen. Die ersten Zwei waren schnell kassiert, aber der Dritte hielt dagegen. In seinem Schlepptau flogen wir an diversen zuvor nicht mehr in unseren Beutezug eingeplanten Sportlern vorbei. Y-3, diese Buchstabe-Zahl-Kombination prangte auf seinem Rücken, ließ uns nicht näher als 20 Meter kommen. Erst einen halben Kilometer vor dem Ziel zogen wir an ihm vorbei. Meiner Motivation entzogen, wurden mir prompt die Beine schwer, doch der Trainer war jetzt in seinem Element und sprintete den Zieleinlauf zum Supermarktparkplatz hinauf. Da galt es dran bleiben. Platz 93, 94 und 100 in der Halbmarathonwertung waren der nachträgliche Lohn, während des Laufes konnten wir dank unserer unambitionierten Startplatzierung am Ende des Feldes beständig überholen, denn die wirklich guten Läufer waren schon längst außer Sichtweite, als wir über die Startlinie gingen. Dass wir am Ende noch Kraft hatten, darüber gibt die schöne Grafik Auskunft.

Während des Laufens gab ich ab und an Geräusche von mir, die an Hirsche in der Brunftzeit erinnerten. Darauf angesprochen, verwies ich auf meine Atemtherapie, um auch den Rest der verbrauchten Luft aus meinen Luftbläschen zu pressen. Denn bei einer zu flachen Atmung wird die gesamte Kapazität der Lunge nicht vollständig ausgenutzt. Das kann die Sauerstoffversorgung der Körpergewebe beeinträchtigen. Die Muskeln und Organe - aber vor allem das Gehirn -erreichen nicht ihre volle Leistungsfähigkeit. Auch das allgemeine körperliche und seelische Wohlbefinden leidet. Das will doch keiner. Außerdem öffnet vertieftes Atmen laut Stanislav Grof Blockaden und wirkt kathartisch.

Die AOK empfiehlt die Lippenbremse und die Zwerchfellatmung. Da sich beim Laufen weder eine „Bremse“ noch das „aufrechte Hinstellen mit geschlossenen Füßen - die Arme hängen locker herab“ optimal in den Bewegungsablauf einarbeiten lässt, muss die Luft halt laut raus.

Damit ich danach mal wieder so richtig Durchatmen kann.

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Der Räuber und der Prinz

Deutsch lernen und laufen führt zu unterhaltsamen Gesprächen an der Alster. Am letzten Freitag – entschuldigt den verspäteten Eintrag, ich musste einen Halbmarathon laufen – bekam ich einen Eindruck davon, wie Deutsch vermittelt wird. Mit Märchen. Es dauert zwar circa einen Kilometer, bis ich begriff, dass unsere kanadischen Mitläuferin in der letzten Woche ein Märchen geschrieben hatte, Ä und CH sind doch bei angestrengter Atmung schwer zu verstehen.

Die Kurzfassung der Geschichte:
Ein einsamer, hässlicher Prinz hat einen Schatz. Dieser wird ihm geraubt. Er ist unglücklich. Er befragt seinen Zauberspiegel (mit scharfem Z, sonst wird es nur ein sauberer Spiegel, auch schön, aber nicht so hilfreich), erfährt, dass der Schatz im Zauberwald versteckt ist. Im Wald steht ein violetter Baum, der dem Prinzen erzählt, was passiert ist. Ein kleiner Mann mit K, aber kein Zwerg oder Gnom, hat den Schatz geklaut, der Zauberbaum hat ihn aber mit einem Ast erschlagen und der Prinz bekommt seinen Schatz wieder, der unter einem Ast steht. Um das Happyend vollständig zu machen, die Geschichte stammt immerhin von einer Nordamerikanerin, sitzt auch dem Schatz eine schöne Prinzessin, die nur auf den hässlichen Prinzen gewartet hat. Und so lebten sie glücklich und zufrieden.

Wer jetzt den Begriff mit K errät, darf sich das folgende Video anschauen, das mir während der Erzählung durch den Kopf summte. Auch mit Prinz und Happyend, aber doch mit kleiner anderer Wendung. Von der Deutsch-Kanadischen Laufgruppe zur Deutsch-Amerikanischen Freundschaft. MAZ ab



DAF - Der Räuber und der Prinz
Ein schöner junger Prinz. Verirrte sich im Wald. Plötzlich wurde es dunkel. Da packten ihn die Räuber. Doch einer von den Räubern liebte diesen Prinzen. Ich liebe dich mein Prinz. Ich liebe dich mein Räuber.

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Montag, April 02, 2007

Der Trainer sagt:

"Aufgrund einer Leseschwäche meinerseits waren wir gestern morgen eine Stunde zu früh! am Start - zugegeben ein wirklich schlechter Aprilscherz. Aber egal, zumindest wurden wir dadurch nicht erst vom Startschuss geweckt.

Mit rund 150 anderen Volksläufern geht es los durch das romantische Wandsetal - die äußeren Bedingungen sind nahezu perfekt - ca. 10 Grad und Sonne (ich mags ja lieber ein wenig bewölkt). Angespornt von den Zeiten aus Hessen haben wir uns eine Zeit von 5,25 Minuten pro Kilometer vorgenommen (Endzeit von 1.53,45).

Aber mit zwei gnadenlosen Terriern an den Hacken lässt sich so etwas nicht einhalten - Jochen redet so viel, dass mir nur die Flucht nach vorn bleibt und Franco läuft so unverschämt energiesparend seine Kilometer runter, dass auch hier nur eine Tempoverschärfung hilft, in der Hoffnung ihn so weich zu kochen. Zwar jammern beide permanent über das hohe Tempo (Zitat Franco: "Sach mal Josi, hast Du noch nen Arsch offen?"), aber im Ziel ist die Freude über 1:48,49/1:50,06 sehr groß. Das hat auf jeden Fall gerockt. Noch vier Wochen!"

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