Freitag, April 06, 2007

Sport und Bier und Biersport

Die Sache mit dem Sport ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits dient es der körperlichen Ertüchtigung, andererseits kann es auch – wenn zu eifrig betrieben - fatale Folgen haben. Deswegen habe ich mir zwei Tage Auszeit gegönnt und mich nur passiv Aktivitäten hingeben.

In der Stadt war Derbyzeit. Der kleine FC St. Pauli war beim großen HSV zu Gast, allerdings nur bei den Amateuren. Ein kampfbetontes 0:0 ließ bei Anhängerscharen relativ friedlich in die Stadt zurückkehren, nur vereinzelt flogen Bierdosen vor dem S-Bahnhof Stellingen hin und her. Der HVV war ein wenig zurückhaltend mit der Bereitstellung von Zügen, weswegen sich die Heimfahrt doch um Stunden verzögerte. Was wiederum ein gutes Argument für ein weiteres Bier und dann noch eins usw. war, auch wenn dieses Verhalten nicht der körperlichen Fitness zuträglich ist.

Eine andere Möglichkeit, Sport und Bier in eine harmonische Kombination zu bringen, ist der so genannte Bierathlon - in anderen Regionen auch als Kastenlauf bekannt.
Dank Youtube sind phantastische Einblicke in diese mir zuvor verschlossene Form der Körperertüchtigung möglich. Traditionell handelt es sich dabei um Jungmänner, die sich unter dem Absingen schmutziger Lieder in Hochgeschwindigkeit in die Bewusstlosigkeit saufen. Diese offensichtlich gesellschaftlich akzeptierte Variante des zur Zeit so verpönten Flatrate-Saufens gilt vielmehr als heimatliches Kulturgut.
Besonders gerne werden diese Dokumentationen, auf deren Höhepunkt ein fröhlicher Strahl Erbrochenes durchs Bild spritzt, mit lauter Rockmusik unterlegt.

Ein typisches Beispiel ist der Kastenlauf 2005 aus Breitbrunn:


Einen ähnlichen Einblick gibt der Bierathlon in Rotenburg, der erste seit 26 Jahren, mit stilvoll vorgetragenem Walk-by-Kotzing:


Dagegen glänzt der 1. Bremer Bierathlon um den Bremer Unisee mit mehr akademischer Ergebnisorientiertheit und einer vollständig übertragenen Preisverleihungszeremonie. Das Siegerpodest ist olympiareif und dem Anlass angemessen.



Der Bierathlon in Oberursel, dessen Teilnehmer kaum die erforderliche Alkoholreife erreicht haben dürften, glänzen mit einer erstaunlichen Musikauswahl. Ihre mit Eistee gestreckten Bemühungen sind mit einem Trinklied von Otto Waalkes unterlegt.


Der selbstgesungene Partykracher „Viva La Bier“ macht folgenden Beitrag - nach circa 50 zurückgelegten Höhenkilometern und Unmengen Bier – zu einem besonderen Erlebnis.


Besondere Erwähnung verdient der erste Nordracher Kastenlauf aus dem Jahr 2006. Dieses Spektakel in Nordrach, dem ersten Preisträger im Kreiswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ ist offensichtlich ein großer Spaß für alle Beteiligte. Der gemischt-geschlechtliche Wettbewerb, der am Ende noch mit sportlichen Höchstleistungen wie Um-die-Wette-auf-einem-Bein-stehen oder Eierlaufen aufwarten kann, offenbart eine gänzliche neue Interpretation des traditionellen Sackhüpfens am Ende des Films. Außerdem gibt es zu diesem Event sogar eine eigene Website mit Bilder, Videos und Nachberichten.


Die filmisch überzeugendste Präsentation kommt aus der Schweiz und ist eine Kurz-Dokumentation über den "one and only Bierkastenlauf in Winterthur". Menschen in Verkleidung, gut gelaunt in schöner Natur, geben diesem Sport die richtige Würdigung.


Darum ist es beim Sport so schön.

Keep on running

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